Frau Künast möchte die Piraten resozialisieren

Ich traue meinen Augen nicht. Die Spitzenkandidatin der Grünen in Berlin, Frau Renate Künast, sagte heute in der Kandidatenbefragung der IHK zur Landtagswahl in Berlin im Ludwig Erhard Haus, sie wolle die Piraten „resozialisieren“, damit diese bei der nächsten Wahl nicht mehr antreten. (1)

Frau Künast, sind Sie von allen guten Geistern verlassen? Wie soll ich das denn verstehen? Unterstellen Sie tatsächlich den Mitgliedern der Piratenpartei Deutschland, sie seien resozialisierungsbedürftig? Sehen Sie die Piraten außerhalb der Gesellschaft stehen, so dass sie wie Kriminelle zurück in die Gesellschaft geführt werden müssen? Ich bin sprachlos.

Welche geistige Haltung verbirgt sich hinter der Idee, die (über 10.000) Mitglieder einer demokratischen Partei pauschal als quasi kriminell, mindestens aber asozial zu bezeichnen? Welche Einstellung zur Demokratie offenbart sich hier? Welche Einstellung zur Demokratie haben Sie, mit diesen Mitteln die Abschaffung der größten kleinen Partei Deutschlands zu fordern?

Und wie kommen Sie auf das schmale Brett, ausgerechnet Sie, gerade die Grünen könnten das leisten? Was qualifiziert eine Partei von Opportunisten und Grün-Konservativen (2), ausgerechnet den Piraten etwas von Freiheit und demokratischer Mitwirkung erzählen zu wollen?

Frau Künast, Sie denken, Sie haben es nur mit jugendlichen Raubkopierern zu tun – Sie sind im Irrtum. Meine Sozialisierung ist lange abgeschlossen – ich danke meinen Eltern dafür. Auf Ihre Resozialisierung kann ich verzichten.

(1) Mail an Renate Künast
(2) Glaubt Ihr nicht, liebe Grünen-Wähler? Dann schaut mal hier:
Renate Künast wollte schon 2009 eine Koalition mit der CDU auf Bundesebene.

Update:
Wer die Originaläußerung von Renate Künast hören will, der kann das hier tun:
Renate Künast will die Piraten resozialisieren. Das Audio-Zitat. by Resocializer

Update 2:
Ja, ich weiß, es sollte ein Witz sein. Verzeiht, wenn ich nicht lache – nennt mich humorlos, oder „Drama Queen“ – ich muss über schlechte Witze nicht lachen. Erst recht nicht, wenn sie von humorbefreiten grün angestrichenen Konservativen stammen.

33930 Leser.

17 thoughts on “Frau Künast möchte die Piraten resozialisieren

  • 5. September 2011 um 16:47
    Permalink

    Mei oh mei. Jetzt wollte ich doch mal schauen, was da mit Frau Künast und „Resozialisieren“ war, habs gegoogelt und als ersten Link deine Seite gefunden. Toll find ich ja die Grünen schon lange nicht mehr, aber das schlägt dem Faß den Boden aus. Ist die Künast noc

    Antwort
  • 5. September 2011 um 16:51
    Permalink

    …noch ganz dicht?? (sorry grad aus Versehen zu früh abgeschickt)

    Vielleicht sind die Grünen einfach nur neidisch, weil die Leute sich von ihnen ab- und uns zuwenden?

    Hoffe diese häkelnden Opportunisten crashen bald ebenso wie die FDP.

    Ahoi!
    Fabian

    Antwort
    • 5. September 2011 um 21:23
      Permalink

      Klar 😉 Und Grüne wählen? Wozu? …die Antwort überlasse ich Dir.

      Antwort
  • 7. September 2011 um 10:33
    Permalink

    Herzlichen Glückwunsch zur nicht bestandenen „Wortspiele verstehen“-Prüfung. Nun habt ihr schon so einen bescheuerten Namen, der zu sowas quasi einlädt, und dann gibt es Figuren wie Dich, die auch noch darauf anspringen. Epic Fail, sage ich da nur. Aber zumindest bist du damit ja nicht alleine…

    Und ja, ich finde es ein legitimes Ziel, die Anhänger einer anderen Partei ins eigene (in diesem Fall grüne) Boot holen zu wollen. Jede Partei will schließlich möglichst groß sein, um einen möglichst großen Einfluß ausüben zu können. Zu viele Parteien in einem Parlament sind dazu auch noch nicht eben förderlich für eine Demokratie, da sie Parlamente handlungsunfähig machen kőnnen, weil am Ende jeder nur noch seine Partikularinteressen durchsetzen will.

    Antwort
    • 7. September 2011 um 10:55
      Permalink

      @SW: Ein schlechter Witz bleibt ein schlechter Witz, selbst wenn er ein Wortspiel war. Ich möchte trotzdem nicht ins bürgerliche Lager geholt werden.

      Und das mit der Demokratie solltest Du Dir noch mal genauer ansehen. Deiner Argumentation zufolge sollte es also eine Einheitspartei geben, die dann besser als jeder einzelne weiß, was gut für ihn ist? Ich dachte, das hätten wir überwunden? Quatsch – Beteiligung an der Demokratie ist allemal besser, als sich von einer „bürgerlichen Mitte“ vertreten zu lassen, in der sich alle Parteien irgendwie sehen und wiederfinden. Letztlich führt das dann dazu, dass die Interessen der stärksten Lobby durchgesetzt werden.

      Antwort
  • 7. September 2011 um 10:48
    Permalink

    Also, entschuldigen Sie bitte mal, aber Ihre Partei nennt sich „Piraten“ und plakatiert in Berlin „Warum häng ich hier eigentlich, ihr geht ja eh nicht wählen.“ Finde ich persönlich recht lustig. Aber dann müssen Sie auch ertragen, wenn mal ein Witzchen auf Ihre Kosten gemacht wird, oder sind Sie fünf?

    „Sehen Sie die Piraten außerhalb der Gesellschaft stehen, so dass sie wie Kriminelle zurück in die Gesellschaft geführt werden müssen?“, fragen Sie – und bemerken gar nicht, dass das ja die exakte Beschreibung eines Piraten ist. Sie haben selbst diesen Namen für sich gewählt, nicht Frau Künast.

    Antwort
    • 7. September 2011 um 11:01
      Permalink

      @Cornelius: Ich finde den Wahlkampf in Berlin auch ausgesprochen witzig und gut gelungen, und bin sehr stolz auf meine Partei, wie sie sich in Berlin präsentiert.

      Wenn man mit billigen Namens-Witzchen daherkommt, muss man sich über Gegenwind nicht wundern. Witze über Namen werden immer dann gerne genommen, wenn einem wirklich gar nichts Inhaltliches einfällt. Oder wie würden die Grünen es sehen, wenn ich Witze mit der Farbe grün mache, Renate Künast als verschimmelt bezeichne, Claudia Roth „Shrek“ nenne oder die Grünen Dollar-Partei? Das hat keine inhaltliche Qualität, sondern ist dann nur noch beleidigend und billig.

      Antwort
    • 7. September 2011 um 11:13
      Permalink

      Einen muss ich noch anfügen, @Cornelius: Auch wir haben uns den Namen „Piraten“ nicht selbst gewählt. Er wurde den Internetbewohnern von der Contentindustrie verliehen, in deren Kampf gegen faire Nutzung von digitalen Medien. Ähnlich wie das Wortmonster „Raubkopie“ (als ob Kopieren mit Raub vergleichbar sei – geht es doch allenfalls um Diebstahl) – diese Kriminalisierung durch die Medienindustrie war es, die den Ausschlag gab, diese Bezeichnung zu verwenden und mit neuem, positiven Leben zu füllen. Aber das wissen natürlich weder Frau Künast noch die Grünen. Vielleicht liest Du z.B. mal hier http://www.daniel-schwerd.de/piraterie-zu-harmlos/.

      Antwort
  • 7. September 2011 um 11:30
    Permalink

    Hmmm, interessanter Appell von jemandem, der seine Wortmeldung mit dem Inbegriff der Sachlichkeit, dem Rageguy, illustriert. Bin mir auch nicht sicher, ob Ihre „grün angestrichenen Konservativen“ nicht schon als Namenswitz durchgeht.

    Ist ja auch egal, mein Tipp an Sie bleibt: Da Sie kein politisches Vollprogramm vertreten, sondern ein Nischenprogramm für ich sag jetzt mal junge, Internet-affine, aufgeklärte Bürger, tun Sie sich mit ironiefreier Überempfindlichkeit gegen harmlose Scherze keinen Gefallen.

    Antwort
    • 7. September 2011 um 11:39
      Permalink

      @Cornelius Akzeptiert und verstanden – Empfindlichkeit ist richtig. Vielleicht deswegen, weil ich kein so typischer Netcitizen bin (Jahrgang ’66). Ein Freibier daher für das „Jung“, und ein herzliches Dankeschön für „Aufgeklärte Bürger“, gefällt mir gut.

      Antwort
  • 7. September 2011 um 11:45
    Permalink

    @Netnrd: Es ist vollkommen ok, einen dummen Witz zu kontern. Nur sollte man sich dabei dann nicht als geistiger Tiefflieger outen und das ursprüngliche Niveau noch deutlich unterbieten.

    Die Reaktion der Piraten auf den Witz von Künast ist doch noch viel peinlicher als Künast in dem Gespräch.

    Antwort
  • Pingback: Grünen-Fraktionsvorsitzende Künast nimmt Berliner in Schutz

  • Pingback: Berlin - Wahlen am 18.Sept. - Seite 2 - Erwerbslosen Forum Deutschland (Forum)

  • 15. September 2011 um 23:07
    Permalink

    „Da Sie kein politisches Vollprogramm vertreten…“

    BlaBlaBla… Wer war damals doch gleich noch die Partei, die freies Kiffen und freie öffentliche Verkehrsmittel gefordert hat und sonst nicht viel im Programm hatte?

    Achja, die Grünen. Damals hat die SPD gemosert von wegen die haben ja kein „Vollprogramm“ und die Grünen damit quasi geadelt, heute bekommt Wowereit Kotzanfälle wenn das Thema auf die Piraten kommt und warnt vor den Piraten. Nicht vor der NPD, vor den Piraten! Wohlwissend, dass die Piraten Themen vertreten, derer sich anderer Parteien nur als Trittbrettfahrer bedienen, resp. man diesen Parteien schon lange nichts mehr abnehmen kann (Und ich meine damit so „unwichtige“ Themen wie VDS, Bürgerrechte etc…).

    Was die Wendehalsfähigkeiten der Grünen betrifft: Kohle ist in Hamburg neuerdings Grün, in Stuttgart bauen die Grünen S21. Kein Wunder, dass die längst in der gesättigten Mitte angekommene und ums verrecken irgendwie mitregieren wollende Künast sich nicht zu blöd ist, in bester Franz Josef Strauss Manier von oben herab solch dumm-drastische Worte zu wählen, weil man im Lager der Grünen gemerkt hat, dass die Piraten im weitesten Sinne die Grünen von heute sind: Anders, ehrlich und neu.

    Die Piraten mögen nicht sofort in der Regierung was zu melden zu haben. Aber in ein paar Jahren, wenn auch der letzte Grün-Wähler zum spiessigen Durchschnitt gehört, wird das Bild schon anders aussehen, ob das der Künast passt oder nicht.

    🙂

    Antwort
  • Pingback: Bar-O-Meter: die einzig wahre Wahl! | neukoellner.net | Neukölln-Blog

  • 18. September 2011 um 22:56
    Permalink

    Es zeugt schon von einem sehr fragwürdigen Rechts- oder gar Demokratieverständnis, aus einem Namen das Recht auf Diffamierung abzuleiten..
    Wer so argumentiert, hat wahrscheinlich auch im Kindergarten andere Kinder geschlagen, weil sie „einen scheiß Namen“ hatten – und ist nie darüber hinaus gekommen.

    Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *