EU-Urheberrechtsreform: Ein rabenscharzer Tag

Heute war ein rabenschwarzer Tag für die Freiheit im Internet. Das EU-Parlament hat einer neuen Urheberrechtsrichtlinie zugestimmt, nach der demnächst verpflichtend sogenannte Uploadfilter implementiert werden müssen. Diese werden automatisiert Inhalte untersuchen und sperren, um potentielle Urheberrechtsverstöße zu verhindern – gleichzeitig werden damit auch die meisten legalen Nutzungen solchen Materials unmöglich gemacht.

Die Filter werden dafür sorgen, dass die öffentliche Debatte eingeschränkt wird. Die künsterlische Szene, die sich kreativ mit Medien auseniandersetzt, wird verarmen. Dies beeinträchtigt Meinungs-, Rede- und Kunstfreiheit.

Gleichzeitig beschloss man, das Autoren künftig zwangsweise Abgaben ihre Urheberrechtsabgaben mit ihren Verlagen teilen müssen, sowie ein sogenanntes Leistungsschutzrecht, welches für Links zu Nachrichten Abgaben an die Presseverlage vorschreibt.

Die natioanlen Gesetzgeber haben nun zwei Jahre Zeit, die Richtlinie in nationales Recht umzusetzen.

Die beschlossenen Regelungen nutzen alleine einer Medienindustrie, und bringen den Medienschaffenden keine Vorteile. Das Ziel, die Position von Kreativen zu stärken, kann so nicht erreicht werden. Zudem werden die großen Plattformen gefördert, die mit den notwendigen Anpassungen weniger Probleme haben als kleinere Anbieter.

Gleichzeitig ist es ein Schlag ins Gesicht einer ganzen Bewegung unter dem Stichwort #SaveYourInternet, in der sich besonders viele junge Menschen demokratisch und friedlich für die Freiheit des Internets engagiert haben. Dies, und die Tatsache, dass die ganze Reform offenbar einem Kuhhandel zwischen Deutschland und Frankreich verknüpft mit der Zustimmung zur Nordstream-Gaspipeline entstammt, befördern Politik-, Parteien- und EU-Verdrossenheit. Das ist verantwortungslos.

Wir brauchen ein reformiertes Urheberrecht, keine Frage – welches einerseits die Kreativen stärkt und ihre Leistung gerecht entlohnt, gleichzeitig aber eine faire Nutzung von urheberrechtlich geschützten Materials ermöglicht. Dafür werden ich mich auch in Zukunft einsetzen.

Hacker tragen keine Masken: Datenleak und Hackerangriff

Ein 20jähriger aus Hessen wird beschuldigt, persönliche Daten von hunderten Personen aus Politik und Medien gesammelt und veröffentlicht zu haben. In einer Art „Weihnachtskalender“ veröffentlichte er täglich neue Listen von Betroffenen, sortiert nach Parteien (mit Ausnahme der AfD), Rundfunk und Youtube. Waren bei den meisten Personen „nur“ Adressdaten enthalten, gab es zu anderen auch private Telefonnummern, Fotos, Informationen zu Familienmitgliedern oder Kindern oder private Dokumente. Was als „Hackerangriff“ bekannt wurde, war ein umfangreicher Falls sogenannten „Doxings“, dem Zusammentragen und veröffentlichen persönlicher Informationen aus diversen Quellen, um diese bloßzustellen und zu de-anonymisieren. Das ist der Moment, wo Hass aus dem Internet auf die reale Welt übergehen kann.

Bei den Personen, über die detailliertere Informationen veröffentlicht wurden, muss man davon ausgehen, dass bei ihnen Email- oder Social-Media-Accounts übernommen worden sind, möglicherweise weil hier unsichere Passwörter zum Einsatz kamen. Eine große Gefahr stellt hierbei die Gewohnheit dar, Passwörter für die unterschiedlichen Dienste wiederzuverwenden – ist dann einmal ein Dienst tatsächlich gehackt und das Passwort im Umlauf, stehen für den Zugriff auf die anderen Tür und Tor offen.

Dazu passt es, dass der australische IT-Sicherheitsforscher Troy Hunt jüngst über eine extrem umfangreiche Datenbank von Emailadressen und Passwörtern berichtete, die er in einem einschlägigen Hackerforum fand. Diese war offenbar aus zahlreichen alten Leaks zusammengestellt, er fand darin aber auch etwa 140 Millionen neuer Accounts, die ihm bei seinen Forschungen bislang noch nicht untergekommen waren.

Die mediale Aufmerksamkeit, die dieser Datenleak hervorrief, wurde von kopflosem Aktionismus seitens der Politik begleitet, aber die Wenigsten wissen, was man jetzt tun sollte, und wie man technisch um politisch darauf reagieren müsste. Die von CDU und Sicherheitsesoterikern geforderten Maßnahmen, etwa eines „Hackbacks“, gehen jedenfalls vollkommen am Problem vorbei.

Am 29. Januar berichte ich ab 19:30 Uhr in der Kölner Galerie „Freiraum“ für den Ortsverband Köln-Lindenthal über technische Hintergründe, Gegenmaßnahmen technischer Art und mögliche Forderungen durch Politik.

Gerne komme ich auch zu Ihnen, zu Ihrer Organisation oder Verband, referiere zu diesem Punkt, erkläre technische Zusammenhänge und Gegenmaßnahmen. Mir wurde bescheinigt, dass ich solche technischen Zusammenhänge auch gut nicht-Technikern vermitteln kann. Sprechen Sie mich bitte an!

Horst, eine Möhre, zwei Tassen Kaffee und der Maskulismus

„Lass mich doch mit Deinem Genderkram in Ruhe. Dieses Feminismusgejammer hängt mir zu den Ohren raus. Ich kann’s nicht mehr hören!“ Horst hatte heute einen schlechten Tag. Die Sonne brannte schon seit Tagen, die Matschpfütze war längst eingetrocknet, und die Küchenabfälle zogen viele hungrige Fliegen an.

Horst, das ist mein Hausschwein. Naja, ich bin nicht ganz sicher, ob er „mein“ Hausschwein ist – so wie er sich meist benimmt bin ich eher „sein“ Mensch. Meinen Garten hat er in einen Sumpf verwandelt. Und mein Haus auch. Dafür kann er sprechen, begleitet mich überall hin mit, hält den Rasen kurz und kümmert sich gleichzeitig um die Küchenabfälle. So ein Hausschwein ist schon ganz praktisch, manchmal. Könnte man denken. Solange mich niemand mit ihm sprechen sieht. Denn alle anderen Leute können Horst gar nicht sehen. Das gibt mir zu denken.

„Horst,“ sage ich, „das mit dem Feminismus ist gar nicht so schwer zu verstehen. Stell Dir einfach vor, eine Frau und ein Mann gehen in ein Café. Beide bestellen sich eine Tasse schwarzen Kaffee. Der Mann bekommt eine Tasse, die Frau bekommt eine Tasse. Die Tasse des Kerls ist randvoll, doch die von der Frau nur zur Hälfte.“

„So ein Quatsch. Was soll das denn?“ fragt Horst, und lässt eine vertrocknete Mohrrübe auf den Boden fallen.

„Was weiß ich. Vielleicht, weil Frauen doch kleiner als Männer sind. Die brauchen nicht so viel Kaffee, denkt man da vielleicht im Café. Ausserdem sind sie meist zu höflich, sich zu beschweren.“

„Sowas blödes.“ meinte Horst. „Ich würde denen ordentlich auf den Tisch…“

„Genau das.“ unterbrach ich Horst, bevor er den Satz beenden konnte. „Wenn die Frau jetzt aufsteht und die Bedienung im Café darauf hinweist, dass in ihrer Tasse Kaffee fehlt – dann ist das Feminismus. Wenn die Bedienung anschließend mit der Kaffeekanne zu ihr kommt, und ihr die Tasse auffüllt, ist das Gleichstellung.“

Für einen Moment schweigen wir. Horst schaut zweifelnd auf die trockene Möhre am Boden. Sie ist so verschrumpelt, dass sich nicht mal mehr die Fliegen dafür interessieren. Schließlich sagt Horst: „Und was ist Maskulismus? Das hat doch bestimmt was mit dem Typen zu tun.“

„Ganz recht,“ meine ich, „genau so ist das. Wenn der Typ nämlich jetzt aufsteht, und sich beschwert, dass die Frau zweimal Kaffee bekommen hat, er aber nur einmal, obwohl seine Tasse randvoll ist, und obwohl da sowieso gar nichts mehr oben reinpasst – dann ist das Maskulismus.“

Horst hat mittlerweile die Möhre wieder aufgenommen, und lässt sie lässig aus dem Mundwinkel hängen. „Und wenn die Bedienung dann kommt, und auf die Tasse weiter Kaffee gießt, bis der links und rechts runterläuft – was ist dann das?“

„Keine Ahnung.“ muss ich gestehen.

„Eine genervte Bedienung, die keine Lust mehr auf das Gejammer hat.“

Meine Besuchergruppe erlebt hitzige Debatte im Landtag

Am vergangenen Freitag besuchten mich Vertreter aus Stadt- und Kreisverbänden der LINKE.NRW. Auf dem Programm stand eine Besichtigung des Landtags, ein kleines Frühstück und ein umso längerer Aufenthalt im Plenum. Langweilig war es nicht, denn mit der aktuellen Stunde „Schlechte Wirtschaftspolitik in Nordrhein-Westfalen droht, langfristig Zukunftschancen und Wohlstandsperspektiven zu verspielen“ wurde Wahlkampf in Reinform geboten. Die Besucher berichteten mir, dass sie von der aggressiven Stimmung zwischen den Rednern und den Fraktionen im Plenum doch recht erstaunt waren. Der Besucherdienst des Landtages gönnte der Gruppe eine Verlängerung im Plenum, denn man hatte sie schlicht vergessen.

Der Besuch endete mit einer einstündigen Diskussion mit mir über aktuelle Themen der Landespolitik. Die Gruppe interessierte sich insbesondere für meine politischen Schwerpunkte und meinen Ansatz zur linken und sozialen Netzpolitik.

Ich möchte mich bei den angereisten Besuchern für Ihr Interesse und Engagement ganz herzlich bedanken. Wer den jetzigen Termin verpasst hat, der hat im kommenden Frühjahr nochmals Gelegenheit.

Veranstaltungen in Leipzig: „Politik aus Notwehr: Das Erbe der Piratenpartei“ und „Linke Netzpolitik“ am 11. & 12. Oktober

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Am Dienstag, den 11.Oktober 19:00 im linXXnet, Bornaische Str. 3d, 04277 Leipzig: Lesung „Politik aus Notwehr: Das Erbe der Piratenpartei“

Ich lese aus meinem Buch „Politik aus Notwehr: Das Erbe der Piratenpartei“. Ich schrieb über sechs Jahre Parteizugehörigkeit, über Erfolge, doch auch über die Gründe für das Scheitern – und welche Lehren man aus diesem Experiment ziehen kann. Ich habe es aus der Innensicht der Partei und des Parlamentes geschrieben und „Politik aus Notwehr“ genannt. Es geht um Mechanismen und Ereignisse in einer Partei und in der Politik, um komische und traurige Vorkommnisse, flüssige Demokratie, Zombie-Bügeleisen, Netzpolitik, Schwammintelligenz und Lernen durch Schmerz – nur eben ohne Lernen. Platz zum Diskutieren wird es auf jeden Fall auch geben.

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Am Mittwoch, den 12. Oktober 19:00 Uhr im Interim, Demmeringstr. 32, 04177 Leipzig: „Linke Netzpolitik“

Warum ist Netzpolitik Gesellschaftspolitik, und warum sie sogar linke Gesellschaftspolitik sein sollte: Die digitale Agenda in unserem Land ist ein Trauerspiel. Der Netzausbau stockt, veraltetes Recht behindert jahrelang die Verbreitung freier Bürgerdatennetze sowie digitaler Werke, das Netz wird kommerzieller, der Geist des freien Internets geht verloren. Die Politik schaut bei der digitalen Revolution hilflos zu, während ein Lebensbereich nach dem anderen fundamental verändert wird. Weil das technische Verständnis nicht da ist, lässt man internationale Konzerne, Geheimdienste und Sicherheitsfanatiker gewähren.

Wenn wir die Chance zur Gestaltung des Internets jetzt nicht ergreifen, werden die Standards von anderen gesetzt. Wir müssen jetzt handeln, denn jetzt entsteht die digitale Welt, in der wir in Zukunft leben werden.

Ich würde mich freuen, wenn ihr vorbeikommt!

Der Jugend-Landtag 2016

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Über zweieinhalb Jahre diskutierte eine Landtagskommission unter anderem über die Frage, ob Jugendliche in Nordrhein-Westfalen zukünftig bereits ab 16 Jahren bei Landtagswahlen wählen dürfen. Diese Kommission, besetzt mit Vertretern aller Fraktionen des Landtags, sagte leider: Nein.

Der diesjährige Jugend-Landtag zeigte einmal mehr, weshalb dies eine kolossale Fehlentscheidung ist. Vom 23.-25. Juni öffnete der Landtag seine Pforten und ließ die Jugendlichen an die Macht. Bei diesem Planspiel übernehmen 236 Jugendliche – im Alter von 16-20 Jahren – die Rollen der Abgeordneten. Erst wählten sie Fraktionsvorsitzende, dann Vorsitzende der Fachausschüsse und beschäftigten sich dann mit verschiedenen Themenstellungen. Dazu hörten sich Experten an, gaben eine Pressekonferenz und fanden sich am Samstag zur abschließenden Plenarsitzung ein, deren Entscheidungen zur Anregung für unsere Arbeit genommen werden. Dabei sind die Jugendlichen vielfach progressiver und fortschrittlicher, als es die Abgeordneten sind, befassen sie sich doch zum Beispiel mit dem Wahlrecht, dem Bedingungslosen Grundeinkommen, Kennzeichnungspflicht von Polizisten oder einem gesellschaftswissenschaftlichen Abitur.

Mit dabei war die frisch gebackene Abiturientin Melissa Arweiler, die meine ‚Stellvertretung‘ im Parlament übernahm. Melissa berichtete im Nachgang zu der Veranstaltung von drei intensiven Tagen, welche sie am parlamentarischen Leben eines Abgeordneten schnuppern ließen und sie in ihrem Willen, sich politisch zu engagieren, bekräftigen. Das finde ich toll! Ich bedanke mich bei Melissa für ihr Engagement und wünsche ihr viel Erfolg bei dem Studium der Rechtswissenschaften, welches sie in Kürze beginnt.

Melissa Arweiler
Melissa Arweiler

Der Jugend-Landtag ist eine dreitägige Veranstaltung mit Übernachtung in der Jugendherberge auf der gegenüberliegenden Rheinseite und Verpflegung im Landtagsrestaurant, und findet jedes Jahr statt. Sämtliche Kosten werden vom Landtag übernommen.

Die Beschlüsse des Jugendlandtags.

Sozialismus durch die Hintertür: Einen Oettinger hält weder Ochs noch Esel auf

OchsEselImmer passend zum 1. April stelle ich den Sinn für Humor der Landesregierung auf die Probe und reiche eine nicht allzu ernst gemeinte Kleine Anfrage ein – in der aber ein ernst gemeinter Kern steckt. Im vergangenen Jahr durfte sich die Landesregierung mit der Computerspielbranche befassen und dieses Jahr war es Günther Oettingers „Hintertürsozialismus“ im Zuge der Netzneutralität. Oettinger war nämlich der Meinung, mit der Netzneutralität, also der Gleichbehandlung aller Daten im Internet würde der Sozialismus durch die Hintertür eingeführt. Nachfragen, was er denn damit meine, verwirrten eher noch weiter.

Die Antwort aus dem SPD-geführten Ministerium für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien greift glücklicherweise die humoristische Note auf und zeigt, welche Wellen diese Kleine Anfrage vor sich herschob, schließlich lösten diese „existentiell-philosophischen Fragen“ einen „erheblichen Abstimmungsbedarf“ aus, heißt es dort. Gleichwohl ist sie auch bezeichnend.

Antwort der Landesregierung

Sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin,

namens der Landesregierung beantworte ich die Kleine Anfrage 4616 im Einvernehmen mit dem Minister für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk, dem Minister für Inneres und Kommunales sowie der Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter wie folgt:

Frage 1: Kann der Sozialismus durch die Netzneutralität eingeführt werden?
Frage 2: Bedeutet Sozialismus, dass nicht einmal medizinische und lebensnotwendige Dinge Vorrang haben?
Frage 3: Was könnte Sozialismus nach Ansicht der Landesregierung mit Netzneutralität zu tun haben?
Frage 4: Wie kann die Ministerpräsidentin bzw. die Landesregierung dabei helfen, Herrn Oettinger zu erklären, was Netzneutralität, was Sozialismus ist und was beides miteinander zu tun hat?

Aus Gründen des Sachzusammenhangs werden die Fragen 1 bis 4 gemeinsam beantwortet.

Die Anfrage des fraktionslosen Abgeordneten Daniel Schwerd weist, ungeachtet des besonderen Datums der Kleinen Anfrage, existenziell-philosophische Fragen auf und hat innerhalb der Landesregierung erheblichen Abstimmungsbedarf ausgelöst. Die Landesregierung hat die auf europäischer Ebene zwischen Parlament, Rat und Kommission geführte Debatte über Netzneutralität intensiv wie nachhaltig begleitet und damit jedenfalls großen Zuspruch von all jenen erhalten, die verstanden haben, dass das Prinzip der Netzneutralität in unserem digitalen Zeitalter schlicht die Basis ist, um unsere Demokratie, unsere Meinungsfreiheit und den freien Zugang zu vielfältigen Informationen zu sichern.

Die Frage der Gemeinsamkeiten von Netzneutralität und Sozialismus ist in den bisherigen Debatten sträflich vernachlässigt worden. Sie umfassend und mit der erforderlichen philosophischen Tiefe zu beantworten, würde aber einen Aufwand erfordern, der innerhalb einer Frist von vier Wochen nicht zu leisten ist.

Deshalb beschränkt sich die Landesregierung auf zwei grundsätzliche Feststellungen zu den Gemeinsamkeiten:

1. Netzneutralität und Sozialismus sind beide eine ständige Aufgabe.
2. Netzneutralität und Sozialismus in ihrem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf.

(Zwischenruf des Autors:) „Lassen wir jetzt den Satz, wie er geht und steht, oder vielmehr hinkt. Was hätte man als Schlussfolgerung erwartet?“, fragte schon Karl Marx in seiner Kritik am Gothaer Programm der SPD. Kann man diese Antwort etwa als ein Bekenntnis der rotgrünen Landesregierung werten, die Netzneutralität als eine Voraussetzung zur Einführung des Sozialismus im 21. Jahrhundert zu begreifen? Und versteht sie den Sozialismus immer noch als ihre Aufgabe?

Die Landesregierung ist zuversichtlich, dass auch Herr EU-Kommissar Oettinger keine weiter reichenden Zusammenhänge von Netzneutralität und Sozialismus finden wird. Auch ist gewiss, dass Spezialdienste weder das Prinzip der Netzneutralität noch den Sozialismus in ihren Grundfesten erschüttern werden.

Frage 5: Welche Maßnahmen ergreift die Landesregierung derzeit, um sich für die Stärkung der Netzneutralität einzusetzen?

Die Landesregierung befürwortet deshalb weiterhin das Prinzip der Netzneutralität. Ein wesentliches Anliegen der Landesregierung ist es dabei, sicherzustellen, dass Netzneutralität nicht nur als rein telekommunikationsrechtliche Frage, sondern auch als Frage der Vielfaltssicherung verstanden wird: Bei Netzneutralität geht es nicht nur um die technische Zugangsdienstleistung, sondern letztlich auch um die Frage, welche Inhalte im Internet verfügbar sind. Für Nutzer wie Inhalteanbieter ist es elementar, sämtliche legalen Inhalte im Internet einerseits bereitstellen und andererseits nutzen zu können. Da den Ländern auch im Internet der Auftrag zur Sicherung inhaltlicher Vielfalt zukommt, setzt sich die Landesregierung hierzu aktiv im Länderkreis wie auch gegenüber dem Bund für ein Vielfaltsmonitoring ein.

(Anmerkung des Autors:) Netzneutralität und Spezialdienste gehen nicht zusammen. Und wie man Vielfalt monitoren will, weiß kein Mensch. „In der Tat ist aber der ganze, stilistisch und inhaltlich verfehlte Paragraph nur da, um das Lassallesche Stichwort vom ‘unverkürzten Arbeitsertrag’ als Losungswort auf die Spitze der Parteifahne zu schreiben“, so sagte es Karl Marx 1875 in seiner Kritik am Gothaer Programms der SPD. Ersetzt man den „unverkürzten Arbeitsertrag“ durch „Netzneutralität“, und Ferdinand Lassalle durch Professor Tim Wu von der Columbia University, welcher den Begriff der Netzneutralität erfand, so würde es beschreiben, was der Sozialdemokratie in der NRW-Regierung zum Thema Netzneutralität einmal einfallen sollte. Und wie immer wird man sagen müssen: Marx hatte ja so Recht gehabt! Manche Dinge ändern sich eben nie.

Interview WDR 5 Westblick „War Reker-Attentäter V-Mann?“

radio

Heute hat mich die Moderatorin Edda Dammmüller für die Sendung „Westblick“ im Radiosender WDR 5 interviewt. Thema war die Kleine Anfrage, ob es sich bei dem Reker-Attentäter um einen V-Mann des Verfassungsschutzes gehandelt haben könnte, und die Nicht-Antwort unseres Innenministers darauf. Hier kann man das Interview nachhören: